Das landläufige Bild vom mittelalterlichen Handwerk ist geprägt von einfachen Betrieben, in denen Handwerker mit simplen Hilfsmitteln praktische, aber etwas rustikale Produkte herstellen. Auf der anderen Seite aber gab es auch absolute Könner unter den Handwerkern, die hervorragende Produkte hergestellt haben, die reich verziert und technisch überlegen waren. Geschichten über einmalige Schwerter und Schmuckstücke, die im Mittelalter produziert wurden hat wohl jeder schonmal gehört. Außergewöhnliche Kutschen, Möbel und Kunstgegenstände aus dieser Zeit können bis heute in Museen und Burgen besichtigt werden.

Die Handwerkskunst des Mittelalters

Ein Großteil der Handwerker des Mittelalters war damit beschäftigt, Produkte für das tägliche Leben der Einwohner herzustellen. Bäcker, Schmiede, Schreiner, Töpfer und Zimmermänner waren in den Städten damit beauftragt, die Einwohner zu versorgen, die oft andere Berufe im Handel, beim Militär oder in der Verwaltung hatten. Auf dem Land waren Handwerker nicht wirklich weit verbreitet, da Bauern oft selbstständig für die Verarbeitung ihrer Ernte sorgten oder in kleinen Dorfgemeinschaften organisiert waren. Reparaturen, Möbelbau, Schneiderarbeiten und andere handwerkliche Tätigkeiten wurden selbst ausgeführt. In den Städten ging ein Handwerksbetrieb regelmäßig vom Vater auf den Sohn über, womit sich die Frage der Berufswahl für Handwerker oft nicht stellte. Der Handwerkersohn, der von Kindesbeinen an im elterlichen Betrieb mitgeholfen hatte, übernahm irgendwann den Betrieb. So entwickelten sich kleine Betriebe, die oft besonderes Wissen über ihr Handwerk in Generationen angesammelt hatten. Gesellen, bzw. Helfer wurden nach Bedarf des Meisters und den Regeln der jeweiligen Handwerkszunft angelernt.

Die Herstellung besondere Gegenstände

Wenn sich – wie oben beschrieben – ein Handwerksbetrieb in seinem Fach einen guten Namen gemacht hatte und es aus dem Adel, der Kirche oder den aufkommenden reichen Handelsleuten Nachfrage nach einem besonderen Produkt gab, wurden solche Aufträge oft an diese Unternehmen vergeben. Der Handwerksmeister hatte dann die Gelegenheit, sein Können unter Beweis zu stellen und konnte dafür dann auch eine teilweise deutlich bessere Bezahlung erwarten. So entstanden viele Schmuckstücke, besondere Waffen und Möbelstücke, die noch heute in Burgen, Schlössern, Kirchen und Museen zu besichtigen sind.